Lesenotiz zu “The reshaping of political representation in postgrowth capitalism”

Vor zwei Wochen erschien im Online-First/Open-Access-Format der Artikel „The reshaping of political representation in postgrowth capitalism: A paradigmatic analysis of green and right-wing populist parties” von Tilman Reitz und Dirk Jörke. Ich habe ihn gerade gelesen und einige hier spontan aufgeschriebene Anmerkungen. „Lesenotiz zu “The reshaping of political representation in postgrowth capitalism”“ weiterlesen

Cancel Culture ist abgesagt. Ausführliche Fassung des Tagesspiegel-Artikels vom 27. Mai 2020

Am 27. Mai erschien mein Text über die vermeintliche Cancel Culture an deutschen Universitäten unter dem Titel “Das Gespenst der Cancel Culture” im Tagesspiegel. Der folgende Text ist eine ausführliche Fassung des Artikels.

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Missy-Glossar zum Begriff “Postmoderne” – Vollversion

Zur Mai-Ausgabe des Missy Magazine durfte ich einen kurzen Glossartext zum Begriff “Postmoderne” beisteuern. Der musste für den Druck etwas gekürzt werden, hier die Vollversion, durch die insbesondere der Teil über die mögliche sinnvolle Verwendung des Begriffs etwas klarer werden könnte.

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Politik und Wissenschaft in der Krise. Über die Präsentation der #heinsbergprotokoll-Zwischenergebnisse am Gründonnerstag

Die gestrige Präsentation der #heinsbergprotokoll-Zwischenergebnisse wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten bietet. Aber schlimmer noch: sie lässt den Eindruck entstehen, dass Politik und Wissenschaft auf eine problematischen Art vermischt wurden. Im Folgenden erläutere ich zunächst, warum Politik und Wissenschaft sich nie trennen lassen, aber manche Verbindungen doch problematisch sind (1), rekapituliere kurz die präsentierten Zwischenergebnisse der Heinsberger Studie (2), lege dar, dass den Ergebnissen das fehlt, was Wissenschaft ausmacht: die Nachvollziehbarkeit (3), und komme deshalb zu dem Ergebnis, dass hier Politik und Wissenschaft in einer fragwürdigen Weise interagierten (4). „Politik und Wissenschaft in der Krise. Über die Präsentation der #heinsbergprotokoll-Zwischenergebnisse am Gründonnerstag“ weiterlesen

Die Fiktion der Kontrolle. Acht Punkte gegen die Vorstellung, man könne einen „Schutz der Risikogruppen“ bei „kontrollierter Durchinfektion“ erreichen

Die Forderungen, die Social-Distancing-Maßnahmen bald herunter- und das gesellschaftliche Leben wieder hochzufahren, werden immer lauter und sie kommen aus verschiedenen Richtungen: Man hört sie aus wirtschaftsnahen Kreisen, aus Städten und Kommunen, von einigen Mediziner_innen (freilich eher von denen in Laboren und Talkshows als von denen auf den Intensivstationen), von ehemaligen Kulturstaatsministern sowie von vielen Menschen, die einfach keine Lust mehr auf den aktuellen Zustand haben. Am weitesten verbreitet ist dabei aktuell die Vorstellung, man könnte die allgemeinen Social-Distancing-Maßnahmen durch eine Art selektive Schutzisolation für Risikogruppen ersetzen. Während die besonders gefährdeten Gruppen die nächsten Monate in Heimisolation verbringen, sollen sich alle anderen, für die die Krankheit weniger lebensgefährlich ist, infizieren und immunisieren, sodass am Ende eine Herdenimmunität bestünde und die Risikogruppen aus ihrer Isolation entlassen werden könnten. Das mag für manche attraktiv und plausibel wirken. Wenn man aber ein paar Minuten darüber nachdenkt, entpuppt es sich als gefährlicher Größenwahn. „Die Fiktion der Kontrolle. Acht Punkte gegen die Vorstellung, man könne einen „Schutz der Risikogruppen“ bei „kontrollierter Durchinfektion“ erreichen“ weiterlesen

Die Politik wird zurückkommen – aber wie wird sie aussehen?

Eines steht fest: Die in den letzten drei Wochen in Deutschland fast zum Erliegen gekommene Politik im Sinne eines Streits um Macht und Interessen wird zurückkommen. Aber wie wird das aussehen, um was wird es gehen und wer wird für was streiten? Und woher sollen die einzelnen Akteur_innen überhaupt wissen, welche Politik in ihrem Interesse liegt? In diesem Blogbeitrag, auf den in den folgenden Tagen noch einige folgen werden, versuche ich mein Bestes, das abzusehen. „Die Politik wird zurückkommen – aber wie wird sie aussehen?“ weiterlesen

Falsche und richtige Hoffnungen in der Pandemie. Einige letzte laienepidemiologische Reflexionen vor dem Social Media Distancing

Liebe alle,

danke Euch für die letzten Tage, in denen wir alle unser Halbwissen über Epidemiologie ausgetauscht. Das hat mir irgendwie sehr geholfen. Und ich glaube, dieser Austausch auch wichtig, weil er uns allen dabei hilft, die Situation zu verstehen, in die wir geraten sind. Die Reflexionen helfen ein bisschen zu sehen, welches Verhalten angemessen ist – und sie helfen, ein gewisses Gefühl von Kontrolle zu gewinnen.

Aber das ständige Kreisen um das Thema macht mich auch fertig, raubt mir den Schlaf und die Fähigkeit, mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Zudem glaube ich, dass die wichtigsten Gedanken jetzt ausgetauscht sind, man sich zunehmend im Kreis dreht, hineinsteigert und zusätzlichem Stress aussetzt. Schließlich habe ich auch das unangenehme Gefühl, etwas zu viel Aufmerksamkeit für etwas zu wenig Kompetenz zu erhalten. Aus all diesen Gründen reduziere ich jetzt erst einmal für eine Weile meine Präsenz in den sozialen Medien (vll. auf ein halbe Stunde lurken morgens und abends, mal schauen).

Jedoch habe ich doch den Drang, vorher noch einige letzte laienepidemiologischen Reflexionen und Hoffnungen zu teilen.

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Covid-19: Könnt Ihr bitte mal für fünf Minuten aufhören, Euch durch Sarkasmus als souverän zu inszenieren? Danke.

Ich habe nun schon von einigen bei Facebook und Twitter Postings darüber gelesen, was sie an der ganzen Corona-Sache am meisten nervt, hier kommt meines:

Am meisten nerven mich diejenigen Äußerungen, in denen ich den Versuch vermute, sich in einer vor allem durch Unsicherheit und Ambivalenz gekennzeichneten Situation irgendwie doch souverän zu fühlen. „Covid-19: Könnt Ihr bitte mal für fünf Minuten aufhören, Euch durch Sarkasmus als souverän zu inszenieren? Danke.“ weiterlesen

Der “Populismus” als Ausrede. Über einige Rechtfertigungsversuche migrationspolitischer Restriktionen

In diesem Vortrag widme ich mich einer Argumentationsfigur, in der restriktive migrationspolitische Maßnahmen durch einen Verweis auf die erfolge extrem rechter oder, wie es dann oft heißt, populistischer Parteien gerechtfertigt werden. Diese Art der Umweg-Argumentation findet sich in Politik und öffentlichem Diskurs immer wieder: Eigentlich würde man ja gerne mehr notleidende und flüchtende Menschen aufnehmen; aber wenn man dies täte, dann stärke das nur die AfD, weshalb man – schweren Herzens! – darauf verzichte.[1] „Der “Populismus” als Ausrede. Über einige Rechtfertigungsversuche migrationspolitischer Restriktionen“ weiterlesen