Wer derzeit einen relevanten Nutzen von KI in der Produktion darstellen will, muss eine Nebelkerze zünden. Beispiel Tagesthemen

Diese Woche lief in den Tagesthemen ein kurzes Stück über KI und Wirtschaft, das in mancher Hinsicht paradigmatisch ist. Im Zentrum stand EBM Papst, bis vor kurzem ein deutscher „Mittelständler“und vorbehaltlich behördlicher Genehmigung bald Teil des US-Konzerns Madison Air.

EBM Papst produziert Ventilatorentechnik und profitiert deshalb in den letzten Jahren stark vom Ausbau von KI-Datenzentren – denn diese müssen gekühlt werden, wofür man Ventilatoren braucht.

Das ist der Teil der Geschichte, der deutlich macht, was der bisher wichtigste ökonomische Effekt von KI ist: Es werden Billionensummen in den Ausbau von Datenzentren gesteckt, wovon vor allem diejenigen Wirtschaftszweige profitieren, die am Bau von Datenzentren verdienen.

Anscheinend wollte man es im Bericht aber nicht so aussehen lassen, als erschöpfe sich die wirtschaftliche Bedeutung von KI in gigantischen Kapitalinvestitionen und entsprechenden Einnahmen für die Zulieferer. Also baute man noch einen Abschnitt ein, der einen direkten ökonomischen Nutzen von KI-Einsatz im Produktionsprozess demonstrieren sollte. Zitat:

„KI wirke sich gleich doppelt positiv aus, sagt Klaus Geißdörfer, weil sie KI auch im eigenen Unternehmen einsetzen und so effizienter werden. Z.B. die Ingenieure in der Produktentwicklung. Die Tests neuer Ventilatoren laufen neuerdings automatisch. Die Steuerungssoftware dafür ist mit Hilfe von KI entstanden. Tests, die früher zwei Stunden dauerten, laufen jetzt in wenigen Minuten, vermutlich 10 % Kostenersparnis und ein besseres Geschäft.“

Erster Eindruck beim flüchtigen Schauen: KI hat geholfen, viel Zeit und 10 % Kosten zu sparen. Wenn man genau hinhört, merkt man, dass da eine Nebelkerze gezündet wurde: Die Ersparnisse resultieren nicht irgendwie direkt aus KI, sondern aus einem neuen System zur Testung neuer Produkte. Die Rolle von KI: Sie wurde bei der Programmierung der Software eingesetzt, hat also ein paar Euro gespart, die man sonst für Programmierer:innen hätte ausgeben müssen.

Auch das ist paradigmatisch: Der bisherige wirtschaftliche Nutzen von KI im produzierenden Gewerbe ist sehr überschaubar und Programmierarbeit die einzige wichtige Ausnahme.

Worauf sich die 10% Kostenersparnis beziehen, bleibt unklar: Nur auf die Programmierkosten? Auf die Gesamtkosten für die Entwicklung des neuen Testsystems? Auf die Kosten für jeden Testvorgang? Auf Produktionskosten insgesamt wohl kaum.

Auch das ist paradigmatisch: Ob KI im Produktionsprozess jenseits der Programmierung etwas bringt und was das sein sollte, weiß man einfach noch nicht. Die oben genannten Investitionen sind eine Wette darauf, dass das jemand herausfindet, bevor die Investoren kalte Füße bekommen oder ihre Portemonnaies geleert haben.

Leider ebenfalls paradigmatisch: Eine Berichterstattung, die gerne großen ökonomischen Nutzen sehen will, wo er bisher nicht zu erkennen ist, und die damit dazu beiträgt, das Risiko einer Blase zu verschleiern.